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Billig-Versicherungstarife kommen Assekuranz und Kunden teuer zu stehen

Versicherungsunternehmen werben aggressiv um Kunden. Dabei handelt es sich in erster Linie um solche Produkte, die ihnen Gewinn versprechen. Ob sie für den Kunden notwendig sind, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Belegen lässt sich das beispielsweise mit immer wiederkehrenden und offensiv vorgetragenen Feststellungen, dass etwa jeder zweite Deutsche keine Unfallversicherung hat. Dabei sehen Verbraucherschützer andere Versicherungen als weitaus sinnvoller an und generell billig sind die Versicherungstarife für Unfallversicherungen nun auch nicht.

Versicherer gefährden durch Preiskampf ihre Leistungsfähigkeit

Versicherungsgesellschaften verdienen vor allem in den Sparten Hausrat- und Unfallversicherung noch Geld. Der Bereich Schadenversicherung leidet aufgrund der Vielzahl der Anbieter unter Preisdruck. Das Resultat von Geizstrategien sind Billig-Versicherungstarife, die sowohl für Versicherer als auch deren Kunden gefährlich werden können. Gefährlich werden Billig-Versicherungstarife für die Verbraucher, wenn die Versicherer an Schadenrückstellungen und Solvabilität sparen.

Die Versicherungsunternehmen können unter Umständen Schadensfälle nicht mehr regulieren. Für die Versicherungskunden hat das in jedem Fall zur Folge, dass sie bei Schadensregulierungen mit Widerstand von Seiten ihres Versicherers rechnen müssen. Bei der Regulierung wird rumgezickt. Selbst wenn Schäden wie erhofft ersetzt werden, erhalten die Kunden danach die Rechnung in Form höherer Beiträge präsentiert.

Den größten Konkurrenzkampf führen Sachversicherer im Bereich Fahrzeugversicherung. Für Experten zeigen sich die Ergebnisse eines irrationalen Preiskampfes in einer Verringerung des Beitragsvolumens. Von 2004 bis 2010 verringerten sich die Einnahmen um drei Milliarden Euro. Dabei wird die Sparte Fahrzeugversicherung von der Auto-Haftpflicht, einer Pflichtversicherung, geprägt. Bereits seit 2002 kommt es zu anhaltenden versicherungstechnischen Verlusten. Tatsächlich verdient die Assekuranz mit Autoversicherungen kein Geld.

Die zu starke Konzentration auf Billig-Versicherungstarife hat bereits dazu geführt, Versicherungsgesellschaften pleitegehen. 2010 erwischte es den niederländischen Auto-Versicherer IIC (Marken Ineas, LadyCar). Betroffen waren 50.000Kunden, die sich um neuen Versicherungsschutz bemühen mussten. Selbst wenn Versicherer scheinbar ausreichende Rücklagen bilden können, bringt eine Anlage bei den aktuell niedrigen Zinsen keine wesentliche Entspannung in der Unternehmensbilanz.

Unnötige Policen in jedem Fall vermeiden

Auch wenn die Produkte Hausrat und Unfall für Versicherer profitabel sind, können Kunden sich damit gegen bestimmte Risiken gut absichern. Voraussetzung dafür ist zum einen, dass Kunden eine entsprechende leistungsstarke Versicherungsgesellschaft auswählen. Zum anderen sollten sie auch nur wirklich nützliche Policen abschließen. So sehen Versicherungsexperten für die Mehrzahl der Fälle keine Notwendigkeit zum Abschluss von Glas- und Fahrradpolicen oder für sogenannte Wohnungsschutzbriefe, selbst wenn diese als Billig-Versicherungstarife angeboten werden.

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