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Schufa is watching you: Social-Daten für Kreditwürdigkeit

Heute haben wir eine Schreckensnachricht nach der anderen: Erst prophezeien sie uns Facebooks Ende, dann bestätigen sie den LinkedIn-Datenklau und nun erfahren wir, dass die Schufa Daten aus dem Internet sammeln möchte, um damit die Kreditwürdigkeit einer Person besser beurteilen zu können. Die Datenschützer schlagen natürlich Alarm und sprechen von "Grenzüberschreitung", während die Schufa von einer Sicherung der "Qualitätsführerschaft" spricht.

Fakt ist, dass die Schufa am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) Projektvorschläge entwickeln lässt, mit welchen man User-Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter sammeln kann. Vertreter der Schufa und des HPI bestätigten bereits die Recherchen des Hörfunksenders NDR Info.

Der NDR berichtete heute, dass das Projekt mit dem Namen "Schufa-Lab@HPI" Kontakte von Facebook-Usern auf Beziehungen zwischen Personen untersucht. Auch die Analyse von Textdaten ist denkbar. Und das alles, um die Kreditwürdigkeit der Verbraucher zu prüfen und um das aktuelle Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln.

Das Projekt läuft seit dem 01. April und ist für 3 Jahre angesetzt. Und es geht hier nicht nur um Facebook und Twitter, auch die Kontakte auf Xing oder die Umgebung des Wohnhauses auf Google Street View können für eine Bonitätsprüfung herangezogen werden. Angedacht sei auch die "automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten".

In der offiziellen Pressemittelung der Schufa heißt es: "Ziel des Projektes ist die Analyse und Erforschung von Daten aus dem Web. Forschungsschwerpunkte sind einerseits die Validität von Daten und anderseits Technologien zur Gewinnung von Daten." Ziel sei es außerdem, "Chancen und Bedrohungen für das Unternehmen zu identifizieren und zu bewerten."

In der Sammlung der Projektideen heißt es, es handele sich lediglich um "Grundlagenforschung", die man zudem nach "höchsten ethischen Maßstäben" betreibe. "Mit dem Forschungsprojekt wollen wir aber auch die unzähligen Mythen und Vermutungen rund um die Informationsquelle Web auf den wissenschaftlichen Prüfstand stellen."

Keine Frage, dass hier gerade Verbraucher- und Datenschützer aufschreien. So der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert: "Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension." Außerdem bezweifelt er, dass eine Umsetzung der Projektideen rechtlich haltbar sei.

Was dieses "Web-Forschungsprojekt" der Schufa also tatsächlich bringen wird, wie weit die Schufa mit Facebookdaten gehen darf und welche Ergebnisse im Anschluss der Öffentlichkeit vorgestellt werden, bleibt abzuwarten.

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